Allein am Strand: Mallorcas Ostküste

Ich wollte Ablenkung, Erholung. Am Besten einen Ort, an dem ich noch nicht war. Ein Direktflug von Wien aus sollte es für die paar Tage sein. Ein stilles Hotel, nicht zu groß, mit WLAN. Ein Ort am Meer.

Man sollte glauben, das geht leicht. War es nicht.

Von Wien direkt zu fliegen, bedeutet nicht mehr das was es einmal war. Bilbao wird, zum Beispiel, noch eine Weile auf mich warten müssen. Bologna auch, da wäre ich schneller mit dem Auto als mit dem Flugzeug. Aber ich wollte ja keine Road-Trip sondern genau das Gegenteil.


Ich landete auf Mallorca. Da war ich schon mehr als ein Mal. Knapp 2 Jahrzehnte her, aber ich konnte mich noch gut an die Insel erinnern. Anfang April sollte man sich das nicht nur wettertechnisch überlegen, in welchen Teil es einen da verschlagen möchte. Ich suchte mir den Südosten aus. Ein Erwachsenenhotel mit Dachterrasse und Sonnendeck. So rechnete ich mir gute Chancen aus, den Sonnenaufgang (um 7.30h) zu sehen, ein bisschen Wärme abzubekommen, und in aller Stille mit meinem iPad ein paar Projekte voranzutreiben.
S’Illot war eine gute Wahl. Das Hotel auch. Allein, hierher zu kommen, dauerte etwas länger, als ich mir gewünscht hätte, selbst mit gut funktionierendem Mietauto. Tempo 90-100km/h klingt bei 60 Kilometern einmal schnurgerade über die Insel lächerlich, entpuppt sich in der Realität aber dennoch als Ausflug durchs Landesinnere. Kreisverkehr können die Spanier, und zwar alle paar Hundert Meter. Aber gut. Kaum angekommen, hatte ich auch schon die April-Vegetation Mallorcas in vollem Ausmaß genossen.

Die Orangen-, Zitronen- und Olivenbäume wachsen hier schon in beeindruckender Größe und Zahl. Ein Glück, weiß ich eine solche Aussicht zu schätzen, denn sonst gab es nicht viel zu tun. Erholungsablenkung ausgeschlossen. Die Orte am Meer sind vor Ostern tot. Der örtliche Supermarkt das einzige Shopping-Vergnügen, und das war mehr als ironisch gemeint, den selbst hier sind die Regale nur spärlich gefüllt.
Dafür wird man Morgens nicht nur mit einem Menschen leeren Strand belohnt. Es gibt auch keine Liegestühle, keine übel riechenden Pommes-Buden, kein Geruch nach Schweiß und Sonnencreme, …

Nur Du, und die gesamte Bucht mit Sonnengruss.

Das war etwas was ich nicht in dem Ausmaß erwartet hatte. Kurz hatte ich ja schon überlegt auf die Malediven zu fliegen um alleine am Strand sein zu können. Nur der lange Flug hatte mich davon abgehalten. Und vielleicht die kleine Sorge doch noch nicht bereit für wirklich nur Nichtstun zu sein. Obwohl, ich bin fast so weit!


Was man in einem Hotel an gutem Essen versteht ist ja ein sehr dehnbarer Begriff. Ich hatte auch hier Glück. Trotz Buffet, gab es eine feine Selektion an regionalen Produkten und Speisen, die ich morgens und auch abends lange und ausgiebig genießen durfte.
Von spanischem Gebäck in verschiedenen Varianten morgens, bis Fisch in Salzkruste, frischem Babyspinat mit Pinienkernen Abends war für mich immer ausreichend dabei um richtig zufrieden zu sein. Fleisch habe ich kaum probiert, aber das Spanferkel schien hervorragend gewesen zu sein.
Mein Mietwagen brachte mich vormittags sicher an kleine Hafenorte, die ich noch nicht kannte.

Mein neuer Favorit: Portocolom

Ein pittoresker Hafen mit niedlichen Gassen und durchaus hübschen Geschäften und Lokalen. Wäre es nicht der einzige Tag gewesen, an dem mich das Wetter mit meinen Plänen hängen ließ, wäre ich deutlich länger geblieben, und hätte schon nach einem Hotel für meinen nächsten Aufenthalt Ausschau gehalten.
So hantelte ich mich über Porto Cristo wieder zu meiner Unterkunft, und genoss die bequemen Hängestühle auf unserem Dach.


Beim nächsten Ausflug hatte ich Glück, und es wurde ein wolkenloser Frühsommer Tag wie aus dem Märchen. Die wohl netteste Strandbar im Osten war, dank Recherche vorab, und Googlemaps offline Karte, schnell gefunden, und ich wollte gar nicht wieder weg. Sand, Wellen, Espresso und Korbtaschen als Lampenschirme. So stelle ich mir einen Tag am Strand vor.
Mein Versuch, Alcudia in der Vorsaison von seiner schönen Seite kennenzulernen, schlug fehl. Ich ließ mich aber danach von Ortskundigen belehren, dass ich im falschen Teil kleine leere Gassen gesucht habe. So was kommt vor. Aber so habe ich einen Punkt für einen neuen Versuch beim nächsten Mal.


Das 4 Sterne Hotel Som Fona war mein Heimathafen für meine Ferien. Wie das mit 4 Sternen sein kann, weiss man ja. Ich denke, dass meine Direktbuchung mit einem recht hohen Preis gegenüber einer Pauschalbuchung nicht gerechtfertigt war, und Details, die dieser Kategorie entsprechen durchaus auch in Spanien funktionieren hätten können. Ich zähle sie nicht auf, weil sie meinem Wohlbefinden keinen Abbruch getan haben. Denn, das größte Esset des Hotels war für mich die Herzenswärme des Personals, das mich nie enttäuscht hat, und immer darauf aus war dem Gast einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen.


Ganz anders mein Aufenthalt in Palma. Ich hatte die Hauptstadt in so guter Erinnerung und liebte es durch die Gassen zu schlendern, und das majorquinische Leben zu beobachten. Espresso trinken, im Schatten schlendern, zu Mittag essen, und durchaus auch shoppen. Ich hatte einen Klotz am Bein: ein Auto. Wie immer. Also nicht zum ersten Mal. Noch nie – egal in welcher Stadt – hatte ich solche Schwierigkeiten eine Karre loszuwerden. Ich endete nach einer unfreiwilligen Fahrt durch die Altstadt im größten Parkhaus vor der Kathedrale, nach gefühlten 30 Minuten Wartezeit bei der Einfahrt. Danach der Benzingestank in der dunkelsten, niedrigsten und lautesten Garage meines Lebens, und meine Laune war dahin. Immerhin hatte ich ein paar nette Fotos, die mich vielleicht später nicht mehr an das Erlebnis, aber an die Aussicht erinnern. Aber ich war fertig mit Palma und der spanischen Leichtigkeit.
So sehr ich mich bei der Ankunft über den überteuerten Preis meines Mietautos bei Sixt geärgert hatte, desto zufriedener war ich bei der Rückgabe. Die eigene Autobahnabfahrt ohne Sucherei und Wartezeit hatte schon etwas, wofür man den Preis in Kauf nimmt. Nach 5 Minuten war alles erledigt, und meine Bestätigungsmail im Posteingang. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, und hatte nun recht viel Zeit übrig. Nach einem letzten Espresso machte ich mich auf die Suche nach einem ansprechenden Plätzchen.


Würde ich nicht Rauchen, hätte ich am Flughafen Palma de Mallorca ein echtes Highlight versäumt: Die Raucherzone war eine riesige Wintergarten-Oase mit Grünflächen, Parkbänken und viel Sonne, im 2. Stock der Abflughalle, die mir die Zeit zwischen der Gepäckaufgabe und dem Boarding so versüßte, dass ich beinahe meinen Flug versäumt hätte. Dass dann die kleinen Delikatessen Geschäfte nach der Sicherheitskontrolle mehr Auswahl hatten, als die Läden vor Ort auf der Insel, brachte mich auch nicht schneller zum Gate, aber versüßte mir nicht nur die Abreise. Ich bin wieder ausgestattet mit neuen Salzmischungen, Keramik und mallorquinischen Kräutern in flüssiger Variante, dem Hierbas de Mallorca Schnaps. Beim nächsten Mal teste ich die Parfum Form.
Und weil der Mensch ja Pläne braucht, und ohne Ziele das Leben recht eintönig ist, werde ich bei dem einen oder anderen Schluck zu Hause überlegen, ob ich nicht doch den Segelschein machen kann. Ich habe mir sagen lassen, dass man durchaus auch mit dem Binnen Segeln beginnen kann, und es auch am Neusiedler See Spaß macht. Denn so einem Segelboot könnte ich schon etwas abgewinnen, und der Sonnenuntergang – am See wie am Meer – wäre mir sicher. Denn das war das Einzige, das ich im Südosten der Insel etwas vermisst habe. Man hat zwar eine schöne Abendstimmung, und bei wolkenlosem Himmel taucht die Sonne hinter dem Gebirge malerisch ab, aber es ist ein kurzes Vergnügen und nicht zu vergleichen mit einem Sunset-Hotspot.
Den gibt es auch an einigen schönen Plätzen an der Westküste. Mit dem Auto 1,5h nach Deja zu fahren war mir dann doch zu viel Zeit- und Energieaufwand, und ich wusste gar nicht, ob ich das Terrassen-Hotel noch finden würde wo ich seinerzeit gewohnt hatte, weil es so wie damals gar nicht mehr existiert. Wer weiß vielleicht ist es heute auch in Privatbesitz.

Meine Mallorca Frühlings-Tipps an der Ostküste.

Am Strand:
Strandbar Can Gavella – Playa de Muro in der Mitte der Bucht von Alcúdia, Sa Caseta des Capellans
Cala Varques – südlich von Porto Cristo
Orte:
PORTOCOLOM
CAMPOS – Donnerstag und Samstag zum Markttag
SANTANYÍ – Plaça Major und Umgebung
Shops:
Natura Selection – spanische Mode mit Fokus auf Respekt zur Natur und Nachhaltigkeit
Flor de Sabor – regionale Produkte
Mundolino – Portocolom

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