Ball Moment

Pünktlich zu Jahresbeginn mischt sich in die österreichische Chronik die Wiener Ball-Saison. Man ist sich als Nicht-Ball-Geher nicht sicher, ob es sich um eine aktuelle Diesel-Kampagne handelt, oder einen schlechten Scherz. Ballfrisuren und Absperrgitter. Polizeisprecher mit Brad Pitt Frisur. Working Moms, die mit einer Hand Kuchen backen und gleichzeitig Österreichs grössten Ball mit links organisieren. Upps – links darf ich in diesem Zusammenhang wohl nicht erwähnen, das sind ja dann die Anderen.
Aber wie soll ich mich da auskennen? Ich war ja noch nie auf einem Ball. Ich hab ja nicht mal ne Tanzschule besucht. Demos auch nicht. Also Unverständnis und Fragezeichen wohin das Auge reicht. Mausi und Schmausi interessieren mich nicht und echte Prominenz besucht ja bei uns sowieso keinen Ball sondern bleibt unter sich oder zu Hause.
Beim Akademiker Ball geht es nicht um Akademiker, beim Opernball eigentlich auch nicht um die Oper, auch wenn es immer wieder Bemühungen gibt es so zu verkaufen.
Also worum geht’s?
Um guten Geschmack und einen fröhlichen Abend eher nicht. Von guten Tänzern auf Bällen wird nie gesprochen. Schöne Ballkleider machen in Grösse 44 auch keine gute Figur mehr.
Ich muss irgendetwas nicht verstanden haben. Denn so sehr ich mich bemühe, mir fällt nichts ein was ich mit dem Glänzen von Abwesenheit auf den Wiener Bällen versäume.
Netzwerken?
Also Bitte! Wer will denn heute wen wirklich offline kennenlernen. Kontakte IRL (in real life)? Na klar, ausgerechnet während die Grippewelle durch das Land rollt, möchte man nichts lieber, als Hände schütteln und sich dann mit Bussi-Bussi verabschieden um sich dann am nächsten Tag richtig auf Facebook zum Business-Meeting zu verabreden.
Hab ich etwas ausgelassen?
Ja! Ich kenne das Gefühl nicht mit einem halben Dutzend Frauen das gleiche Kleid an einem Ort zu tragen.

Und dann wär dann eben noch die andere Seite hinter den Absperrgittern. Politisch interessiert für eine bessere Welt durch die Stadt gröhlen?
„Wer schreit hat Unrecht.“ wird heute jedes Volksschulkind selbstsicher nach einem unüberlegten lauten Satz eines Erwachsenen feststellen. Aber auch hier muss ein viel höherer Sinn dahinter stehen. Denn es gibt ja scheinbar neuerdings Demo-Tourismus. Warum im eigenen Land herum brüllen, wenn es im Urlaubsland viel besser und gänzlich ohne Konsequenzen geht?
Gut, ich bin kein Akademiker. Dann würde ich den höheren Sinn der Opernball Demo vermutlich verstehen, den Akademiker Ball sollte ich dann aber trotzdem nicht besuchen …

Aber so freue ich mich auf das nächste Rock Konzert. Da wartet man draussen in der Warteschlange in Ruhe und feiert dann mit Menschen, die aus dem gleichen Grund ein Ticket gekauft haben.
Ganz Easy.

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